2021-05-11

Erbrecht

Durch den Einsatz eines sogenannten Familienpools kann die Vermögensnachfolge gerade bei komplexen Vermögen optimal strukturiert werden. Bei Einsatz eines Familienpools können die nachfolgenden Generationen als Gesellschafter an dem Vermögen der Familie beteiligt werden, wobei die Stimmrechte sowie die Gewinnbezugsrechte zunächst noch überproportional bei den „Senioren“ verbleiben können. Diese Gestaltung bietet sich bereits bei Familien mit mittleren Vermögen an. Bei großen komplexen Vermögen muss der Berater den Einsatz eines Familienpools zwingend in Betracht ziehen.

Für die Gründung eines Familienpools sprechen folgende Argumente:

- Bündelung des Familienvermögens/Schutz vor Zersplitterung,
- ganzhaltliche Strategie zum dauerhaften Erhalt und Aufbau des Vermögens,
- frühzeitige Einbindung der nächsten Generation/sukzessive Heranführung der nächsten Generation an den verantwortungsvollen Umgang mit dem Vermögen,
- Sicherstellung des fortdauernden Einflusses der Übergebergeneration,
- optimale Nutzung der schenkungssteuerlichen Freibeträge durch regelmäßige Schenkungen von Anteilen,
- Generierung künftiger Wertsteigerung des Vermögens bereits bei der Nachfolgegeneration,
- Verteilung der Einkünfte auf möglichst viele Personen usw.

Gegen die Gründung eines Familienpools können folgende Argumente sprechen:

- nachfolgende Generationen müssen regelmäßig zusammen Entscheidungen treffen,
- nachfolgende Generationen können nur mit Zustimmung der Mitgesellschafter die Vermögenssubstanz für den allgemeinen Konsum liquidieren,
- Kosten für die Gründung des Familienpools,
- leicht erhöhte Kosten für die laufende Verwaltung,
- die nachfolgende Generation ist schon jetzt stark zerstritten und hat kein Interesse an gemeinsamen Aktionen
- das Vermögen ist zu gering.

Das für und wieder muss folglich mit allen Familienmitgliedern sorgfältig abgewogen werden. Die bei den „Senioren“ vorhandenen Vermögenswerte müssen genau aufgearbeitet werden, vorzugsweise in Zusammenarbeit mit dem Steuerberater der „Senioren“.

Haben sich die „Senioren“ zur Gründung eines Familienpools entschlossen, muss die richtige Rechtsform gewählt werden. Ein Familienpool ist grundsätzlich in allen Rechtsformen denkbar. Die Frage der richtigen Rechtsform kann nur mit Blick auf die individuellen Umstände des Einzelfalls und die konkreten Gestaltungsziele beantwortet werden.

Hierbei sind sowohl die mit der jeweiligen Rechtsform verbundenen zivilrechtlichen Aspekte, insbesondere mit Blick auf die Haftungs- und Publizitätsfragen, gegeneinander abzuwägen. Wesentlichen Einfluss auf die Rechtsformwahl hat auch die Frage, welche steuerlichen Auswirkungen die Übertragung des Vermögens auf den Familienpool auslöst. Von immenser Wichtigkeit ist auch der Güterstand des/der Gründungsgesellschafter.

Nicht zu vernachlässigen sind flankierende Maßnahmen, wie der Schutz vor Pflichtteilsansprüchen, der Schutz vor Zugewinnausgleichsansprüchen und testamentarische Anordnungen.

Ich berate Sie gerne.